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Bothriechis schlegelii

Bothriechis schlegelii

Greifschwanz-Lanzenotter  (Berthold, 1846)

Diese Lanzenotter ist eine schlanke, kräftige Grubenotter mit einem dreieckig-lanzenförmigen Kopf, der sich stark von dem dünnen Hals absetzt. Sie hat über jedem Auge 2 - 3 Schuppen, die wie hörnchenartige Fortsätze emporragen. Sie hat einen kräftigen Greifschwanz mit dem sie sich festhält, wenn sie auf ein Opfer zuschnellt.

Bothriechis schlegelii gibt es in fast allen Farbvarianten. Es gibt grüne, olivgrüne, gelbbraune, orange, gelbe oder sogar weissliche Exemplare von gemustert mit Sattelflecken bis einfarbig. Grüne und gelbbraune Tiere haben vielfach schmale rötliche oder braune Zickzackbänder oder ein Netzmuster aus rötlichen Flecken. Unsere Tiere kommen ursprünglich alle aus Costa Rica.

Länge: 60 - 80 cm

Lebensraum

Die Greifschwanz-Lanzenotter bewohnt das südliche Mexiko, von Honduras bis nach Kolumbien, Ecuador und Venezuela ein riesiges Gebiet.

Die nachtaktive, Baumbewohnende Schlange braucht und liebt den feuchten Dschungel und die Regenwälder, von wo aus sie in angrenzende Plantagen eindringt. Sie besitzt lange Zähne und ein Gift, das nicht nur hämotoxisch ist, sondern auch neurotoxisch wirkende Bestandteile besitzt. Am Tage sind sie überaus Beissfaul. In der Nacht sollte man jedoch nie zu Nahe kommen. Dann sind sie aktiv und beissen sofort und sehr schnell zu. Bothriechis schlegelii bleiben oft Tage, ja sogar Wochenlang am gleichen Ort auf einem Blatt, Blüte oder Ast. Am Liebsten warten sie bis das Futter vorbei kommt. Ihre Nahrung besteht aus Fröschen, Vögel und Mäusen. Sie können bis zu 33 lebende Junge zur Welt bringen.


Haltung und Zucht

Als typische Vertreterin des feuchten Dschungels ist sie in einem gut bepflanzten Regenwaldterrarium unterzubringen. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 70 bis 90% und Temperaturen zwischen 18-24° in der Nacht und zwischen 24-30° C am Tag fühlen sie sich wohl. Wir bevorzugen für Adulte Tiere Terrarien, die 80 cm hoch sind. Somit können wir im oberen Bereich mit der Beleuchtung Temperaturen bis zu 30° C erstellen, die sich jedoch auf halber Höhe des Terrariums schon auf 27° gesenkt haben und weiter unten sogar auf bis zu 24° runter gehen. Somit kann sich ein Tier die zur Zeit gewünschte Temperatur selber aussuchen. Die grosse Spannweite bei der Luftfeuchtigkeit möchte ich noch etwas näher erläutern. Die Werte der Luftfeuchtigkeit kann man eigentlich nicht im Pauschalen nennen, da juvenile Tiere ganz andere Werte brauchen als Adulte Tiere. Juvenile schlegelii können nicht lange überleben, wenn man sie über lange Zeit zu trocken hält, da sie dann nicht imstande sind sich zu Häuten. Ich pflege immer zu sagen, wenn die allererste Häutung eines Jungtieres wegen zu trockener Haltung nicht möglich ist, so sind die Überlebenschancen gleich null. Selbst wenn sie noch ein paar Tage lebt, früher oder später sterben sie meist. Tiere die sich auch später nicht gut Häuten können Probleme machen. Zudem kommt noch dazu, dass selbst wenn man sie über eine längere Zeit badet oder in ein nasses Frottetuch einwickelt, sich die alte Haut nur sehr Mühsam lösen lässt. Damit Schlangen, vor allem Schlangen die in feuchteren Klimaten Leben, sich gut Häuten können, brauchen sie eine hohe Luftfeuchtigkeit und aber auch genug zu Trinken. Da sie sehr gerne von Blättern trinken, sollte man einmal pro Tag das Terrarium und die Tiere mit Handwarmem Wasser besprühen. Aber auch hier braucht es ein gesundes Mass. Staunässe und eine schlechte Durchlüftung schaden mehr als sie nützen. Das Terrarium und vor allem der Bodengrund sollte innerhalb ein paar Stunden wieder abtrocknen. Adulte Tiere wiederum kann man relativ trocken Halten. Da schlegelii jedoch eher selten aus einem Wasserbecken trinken, (es gibt natürlich Ausnahmen) sollte man auch hier wenigstens ein bis zweimal die Woche das ganze Terrarium ausgiebig mit knapp Handwarmem Wasser bespritzen. Manche Tiere trinken gleich ab dem Wasserstrahl. Eine Überwinterung fällt aus.

Um mit Bothriechis schlegelii zu Züchten muss man nicht unbedingt die Elterntiere getrennt halten, damit sie Paaren. Ich kenne auch Leute, die eine Zuchtgruppe von 3 bis 4 Tieren das ganze Leben zusammen haben. Doch der Vorteil von der Einzelhaltung ist bei dieser Art sicher die Unfallquote durch Beissereien. Vor allem in der Dämmerung und am frühen Abend können schlegelii sehr Hektisch und Nervös sein. Wenn noch Hunger im Spiel ist, so reicht manchmal nur schon eine Berührung irgendwo am Körper um einfach mal zuzubeissen. Bisse von Artgenossen in den Körper werden meist ohne Probleme überlebt. Doch leider hatte ich früher auch schon mal Ausfälle durch einen Biss in den Kopf, nur weil ein anderes schlegelii über den Körper seines Artgenossen kroch. Also eine Einzelhaltung hat vor allem Vorteile um Beissereien zu vermeiden und erleichtert natürlich dadurch auch das Füttern, welches oft Beissereien untereinander verursacht.

Bei der Aufzucht von Jungtieren muss man einiges beachten, damit man sie durchbringt. Mit viel Geduld kann man es erreichen, dass sie von Geburt an selbständig fressen, indem man sie mit nackten Mäusen so lange ärgert, bis sie hineinbeissen und nicht mehr loslassen. Muss man sie jedoch stopfen, dann nie, wenn sie ins Häuten kommen, meist sterben sie unmittelbar danach.  Rinderherz–Streifen im Ei gebadet fressen sie meist von alleine. Wenn ein Jungtier die Nahrung erbricht, muss man die dadurch verlorene Flüssigkeit wieder versuchen zu ersetzten (ev. mit Magensonde). Ansonsten kann es geschehen, dass sie innerlich austrocknen und dadurch sterben.

Jungtiere sollte man bei 80 bis 100% Luftfeuchtigkeit halten und aufziehen. Jedoch immer wieder trocknen lassen. Fressen sie einmal selbstständig ist die weitere Aufzucht kein Problem mehr.

Eine andere Möglichkeit zu stopfen ist mit einer Spritze und Magensonde, (Kanüle) die Nahrung gleich direkt in den Magen zu geben. Dafür eignet sich besonders ein Diät-Hundefutter in Trockenform, welches mit viel Wasser aufgelöst wird. Die ersten Monate ist eine Gruppenhaltung kein Problem. Wir halten die Frischgeborenen Jungen in Vierergruppen in Aufzuchtbecken von ca. 30/40/30 cm. Die Tiere, die von beginn weg sehr gut fressen werden in neue Gruppen eingeteilt. Sobald man die Geschlechtsbestimmung mittels Poppen machen kann, meist geht das nicht vor dem Alter von 6 Monaten, werden sie Geschlechtlich getrennt.

Nachzuchten

Nachzuchten 2006

Am 6. Sept. 2006 hat unser gelbes Weibchen 20 junge geboren. Von gelb über braun bis Rosarot sind die Farben. Von den 20 Babys mussten wir nicht ein Tier Stopfen. Alle haben nach einiger Zeit selbständig frischgeborene Mäuse gefressen. 8 der Babys sind im Alter von 11 Monaten nach Bern in den Dälhölzli Zoo gekommen, wo sie ein grosses, reichhaltig bepflanztes Terrarium bekommen haben.

Nachzuchten 2007

Am 04.10.07 hat das gleiche Weibchen leider nur 5 Junge geboren. Dafür waren noch eine Todgeburt und 10 Wachseier dabei. Ein Baby ist besonders klein und ich habe mich eigentlich schon damit abgefunden, es stopfen zu müssen. Trotzdem habe ich es mit kanz kanz kleinen Mäusen versucht und hatte nicht schlecht gestaunt, als es als letztes der 5 Babys nach der Maus geschnappt hat und sie sogleich gefressen. Für das nächste Jahr lassen wir unser Weibchen paussieren.

Nachzuchten 2009

Am 29. /30. 08.2009 hat ein Nachzuchtweibchen von 2004 welches mit einem Nachzuchtmännchen von 2006 verpaart wurde, gleich 22 Babys geboren was für das erste mal eine beachtliche Anzahl ist. Leider hat es dafür auch ein paar schwache Tiere darunter die nicht überlebt haben. Am 08. / 09.09.09 haben sich alle das erste mal gehäutet. Nach weiteren 8 Tagen haben die ersten 6 Tiere selbständig gefressen. Die anderen Babys habe ich mit Rinderherz gefüttert, da sie wirklich sehr klein waren. Nach jeder Woche gab es weitere Erfolge mit selbständigem Fressen. Nach knapp 3 Monaten fressen alle selbständig Mäuse.
Am 04.09.09 hat uns ein weiteres Weibchen mit Nachwuchs beglückt.

Nachzucht 2010

Am 31.08.2010 hat unser Weibchen von 2004 ihre ersten 17 Jungen auf die Welt gebracht. Das Männchen ist von 2006 und beides sind eigene Nachzuchten von verschiedenen Eltern. Die Babys sind entweder gelb oder dunkelgrün, keine anderen Farben. Die Mutter ist dunkelgrün mit Flecken und das Männchen gelb mit roten Flecken. Die Babys sind zwischen 2,6 und 3,0 Gramm schwer und zwischen 18 und 20cm lang. Im Vergleich, die Nachzuchten vom sept. 2009 sind mittlerweilen zwischen 23,9 und 28,4 Gramm schwer und zwischen 40 und 42 cm lang.
Am 12.09.10 hat uns ein zweites Weibchen von 2004 (hellgrün mit rosa Flecken) verpaart mit einem anderen Männchen von 2006 (dunkelrot) ebenfalls 17 Babys geschenkt. Die Färbung der kleinen ist vorwiegend dunkelgrün mit hellen schattierungen. Ein paar wenige sind rötliche. Mal schauen wie sie sich entwickeln.
Bis auf zwei Tiere haben alle ohne Probleme selbständig nackte Mäuse gefressen. Zwei Tiere waren so klein dass ich sie zuerst zweimal mit Rinderherz stopfen musste. Danach konnte ich ihnen die kleinsten Mäuse geben und wurden auch gefressen.  

Nachzuchten 2011

Am 05.09.2011 und am 06.09.2011 haben wir von zwei Weibchen je 21 Babys bekommen. Die Weibchen hatten mit ihren 7 Jahren den zweiten Wurf hintereinander und machen jetzt für das nächste Jahr Pause.

Nachzuchten 2013

Ich werde nicht mehr jedes Jahr die Nachzuchten auflisten, nur im 2013 hat es zwei Würfe gegeben die doch etwas aufgefallen sind. Beim ersten Wurf am 30.08.2013, das Weibchen noch etwas Jünger, sind die kleinen gerade mal um die 1,4 bis 1,8g leicht und sehr klein, resp. dünn. Beim zweiten Wurf vom 11.09.2013 sind die kleinen um die 2,9 bis 3,4g schwer und erheblich dicker. 


Giftwirkung und Symptome

Da das Gift relativ schwach ist, gibt es praktisch keine Studien von Bissunfällen oder Untersuchungen auf Deutsch.

  • Die Giftwirkung ist sicher neurotoxisch.
  • Lokale Schwellung und eine Nekrose ist möglich.
  • Starke Lähmungen, starke Hämolysen oder Nierenversagen ist mir nicht bekannt.

 

Erste Hilfe

  • Notarzt- Krankenwagen anrufen und Ruhe bewahren.
  • Haustüre aufschliessen, Schmuck wie Ringe ausziehen
  • Eine Kompressionsbinde anlegen. Ein paar cm nach der Bissstelle Richtung Herz, damit der Fluss des Giftes verzögert wird. Achtung: Puls muss noch fühlbar sein, also kein Abbinden des Gliedes.
  • Ruhig bleiben und sich hinlegen

Antivenin

  • Antivipmyn, polyvalent Anti-Viper Serum, Instituto Bioclon, Mexiko
  • Polyvalent Antivenom, Instituto Clodomiro, Costa Rica

 

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