Naja nivea

Kapkobra  (Linnaeus, 1758)



Die Kapkobra besitzt sieben Oberlippenschilder, wobei das dritte und das vierte Schild den unteren Augenrand berühren. Die ungekielten Schuppen (Dorsalia) umgeben die Körpermitte zwischen 19 und 21 Reihen. Die Ventralia (Bauchschilde) variieren bei den Männchen zwischen 190 und 205 und bei den Weibchen zwischen 203 und 220. Die Zahl der Subcaudalia (Schwanzschilde) schwankt zwischen 50 und 68. (L. Trutnau, Giftschlangen 1998)

Dorsale 19-21, Ventrale 195-227, subcaudalia 50-68, 7 Supralabialia (Oberlippenschilde), wobei das 3 und 4 das Auge berühren, 9- manchmal auch 8 oder 10 Infralabialia (Unterlippenschilde), 1 preocular (Voraugenschild) 3 manchmal 4 postocularia (Hinteraugenschilde). (Johan Marais, A Complete Guide to the Snakes of southern Africa, 2004)

Die Kapkobra kann von einfarbig gelbbraun, hell- bis zu dunkelbraun und Schwarz sein.
Es gibt jedoch auch gesprenkelte Varianten, goldig oder gelblich mit rot, gelb und schwarzen Punkten. Die Schwanzspitze ist schwarz, bei einigen Tieren ist die schwarze Färbung mehrere cm lang.

Länge: 120 bis 140cm, selten bis 160 cm

 

Lebensraum

Die Verbreitung der Kapkobra beschränkt sich auf die Südafrikanische Union, auf Südwestafrika und das Kalahari-Gebiet. (L. Trutnau) Namibia, Cap Provinz, Botswana nach Johan Marais und C/S Namibia, SW Botswana, W Republic of South Africa, Lesotho nach Reptile Database.org   

Sie lebt in trockenem und steinigem, sandigem Gelände bis auf 2700 m Höhe. Sie zieht sich tagsüber in Erdbauten zurück. Da sie jedoch auch gerne klettert, sind Vögel und deren Eier vor ihr nicht sicher. Bei der Nahrung ist sie nicht wählerisch. Sie frisst Ratten, Mäusen, Vögel, Eidechsen, Kröten und Frösche. Auch Schlangen der eigenen wie auch anderen Arten verschmäht sie nicht.

Naja nivea gehört zu den giftigsten Kobra. Ihr Gift übertrifft sogar das der grünen Mamba, wird immer wieder in Büchern Zitiert. Ob das Stimmt oder nicht ist eigentlich auch egal, unterschätzen darf man es bestimmt nicht. Das überaus starke Nervengift lässt nicht viel Spielraum zum Spekulieren. Oberstes Gebot ist  so schnell wie möglich in ein Spital gebracht zu werden.

Sie ist in Gefangenschaft jedoch meist ein sehr scheues, manchmal auch neugieriges und ruhiges Tier, das immer versucht zu fliehen, wenn es die Möglichkeit hat. Seit ich eine Zuchtgruppe zu Hause habe wo mehr läuft als im Hobbyraum, haben sie ihre scheue mit der Zeit verloren. Mittlerweilen liegen sie sogar zuvorderst an der Scheibe und lassen sich nicht mehr beeindrucken.

Haltung und Zucht

Die Kapkobra benötigt ein mittelgrosses  Steppenterrarium. In der Schweiz bestimmt die Grösse eines Terrarium die Verordnung des Tierschutzgesetzes. Naja nivea ist eher eine aktive Kobra die schon auch gerne ein Terrarium ausnutzt. Als Bodengrund verwenden wir ein Gemisch aus Sand und Torfersatz. Als Wasserbecken reicht eine grössere Tonschale. Bis heute konnte ich noch nie eine nivea beim Baden beobachten.  Unsere Tiere sonnen sich auch sehr gerne in der Höhe, weshalb wir ihnen auch einige Klettermöglichkeiten und aus grösseren Korkstücken Liegeplätze geben. Eine Schlupfbox als Versteck, die immer etwas feuchter gehalten wird, wird sehr gerne benutzt. Vor allem vor den Häutungen und zur Eiablage sind solche Schlupfboxen aus Kunststoff einmalig. Aber auch im Terrarium haben wir begonnen, Moosstücke zu legen, die einmal die Woche mit handwarmem Wasser richtig nass gemacht werden. Die Kabkobras sind normalerweise nicht so empfindlich und Häuten sich meist auch gut, wenn es sehr trocken ist. Doch man merkt es den Tieren an dass sie sich wohler fühlen wenn man mindestens vor der Häutung zwischendurch mal das Terrarium mit Wasser abspritzt. Ein paar Pflanzen im Terrarium geben den Tieren zusätzlich Versteckmöglichkeiten und verschönern erst noch den Lebensraum für die Tiere. Naja nivea wühlt auch gerne mal zwischendurch. Also nicht erschrecken wenn mal plötzlich das Wasserbecken schräg steht oder anderstwo ein kleiner Hügel entsteht.

Die Tagestemperatur im Sommer sollten zwischen 25 und 32° C, und in der Nacht zwischen 20 und 24° C sein.  Im Herbst werden die Tagesstunden von 12 langsam auf 8 reduziert, die dann am Frühling ebenfalls langsam auch wieder auf 12 Stunden ansteigen sollten. Vor der Winterruhe frühzeitig mit dem Füttern aufhören, damit der Darm auch wirklich leer ist. Auch die Temperaturen werden so angeglichen. Dadurch das die Beleuchtungsdauer abnimmt kann es automatisch auch länger abkühlen. Temperaturen in der Nacht im Herbst und Frühling können ohne Probleme bis auf 16°C fallen, wenn sie Tagsüber auch wieder auf mindestens 26°C steigen.

Obwohl es in Südafrika von Juli bis August Winter ist, geben wir unseren Tieren eine Winterruhe von Dezember bis Januar bei 15 bis 18° C. Dafür werden sie, nachdem das Klima ein wenig angepasst wurde und sie auch wirklich den Darm entleert haben, einzeln in Boxen getan. Die Boxen werden ausgeschmückt mit Zeitung und Hobelspäne, eine Korkrinde und eine stabile Wasserschale. Natürlich dürfen die Luftlöcher nicht vergessen werden. Die Temperaturen der Überwinterung bleiben Tag und Nacht. Im Frühling werden die Boxen dann zuerst im Wohnzimmer für eine Woche anklimatisiert, bevor die Tiere wieder ins Terrarium kommen. Meist füttere ich sie kurz vor dem Umsetzten noch. Kurz nach dem Zusammenführen der Zuchtgruppe paaren sich die Tiere. Die Eier wurden bei uns immer in die dafür vorhandene Schlupfbox gelegt, welche etwas feuchteren Torfersatz als Bodengrund haben. Dank dem Mikroklima in der Box, welches Ideal für die Eier ist, können sie auch ohne Probleme bis 2 Wochen darin bleiben und nehmen keinen Schaden. Wenn die Zeit für die Eiablage gekommen ist kontrollieren wir die Boxen mindestens einmal die Woche, manchmal auch häufiger. Oft sind die Eier leicht eingegraben, manchmal einfach auf die Erde gelegt. Zur Inkubation werden die Eier ebenfalls in Torfersatz eingebetet und zwischen 28 und 30° ca. 60 Tagen Ausgebrütet. Dazu weitere daten weiter unten.

Die Jungschlangen nehmen schnell nach der ersten Häutung nackte Mäuse an. Bis jetzt mussten wir noch nie ein Baby stopfen. Alle Jungtiere werden mindestens zwei bis drei Jahre einzeln in Boxen aufgezogen bis man sie zu einer neuen Zuchtgruppe zusammen bringt. Beissereien und Kannibalismus können bei jungtieren auftretten und sollten nicht unterschätzt werden. Auch bei trockener Haltung Häuten sie sich in der Regel an einem Stück. Trotzdem sprühen wir zwischendurch mal mit handwarmem Wasser die Terrarien ab. Sie sind sehr flink, schnell und bleiben nicht lange und gerne auf dem Haken. Jungtiere versuchen auch eher mal zu Beissen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Meist Drohen sie an Ort, aufgerichtet und Standfest. Adulte niveas sind meist sehr Ruhig und Neugierig. Sie lassen sich in der Regel sehr gut händeln mit einem Haken vorne und der Hand hinten, die auf der Höhe der Kloake die Schlange hält.


Nachzuchten

Nachzuchten 16.08.03

Am 25.12.02 wurden die um ein Jahr ältere Zuchtgruppe,1.1, in ihre erste Winterruhe verfrachtet. Bis am 03.03.03 waren sie einzeln in Boxen, bei ca. 18° C im Keller. Leider habe ich keine Paarung beobachtet. Am 13.06.03, es war sehr heiss, lag das Weibchen vorne an der Scheibe, am Eierlegen, die ich danach bei 30° C im Inkubator ausgebrütet habe.

Am 16.08.03 schlüpften die Jungen mit einer Länge von ca. 30 cm. und einem Gewicht zwischen 15- und 18 Gramm. Die Häutung erfolgte bis am 30.08.03 und ihre erste Nahrung haben sie am 10.09.03 gefressen.


Nachzucht-Beispiel 2005

In der Zuchtgruppe 1.2 hat mir Weibchen A am 13.04.05 5 Eier gelegt, wovon 2 nicht befruchtet waren. Am 11.06.05 schlüpften die 2.1 jungen mit einem Gewicht zwischen 14 und 16 gramm und einer Länge zwischen 30 und 32 cm. Die erste Häutung war am 19. und 20.06.05.

Weibchen B legte am 01.05.05 ebenfalls in die Schlupfbox 8 befruchtete Eier. 3 Jungtiere waren entwickelt, konnten jedoch nicht Schlüpfen. Die restlichen 5 Jungen (1,4) schlüpften zwischen dem 30.06. und 03.07.05. Zwei Tiere waren 13g schwer und 33 cm lang, zwei waren 14g schwer und 35 cm lang. Ein Tier war nur 7 gramm schwer und 26 cm lang. Die erste Häutung war zwischen dem 09. und 12.07.05.

Nachzucht-Beispiel 2006

 Von der gleichen Zuchtgruppe hatten wir am 15.04.06 10 Eier mit einem Gewicht von 242 gramm. Das macht ein Gewicht pro Ei von 24,2 gramm durchschnittlich. Seit ich die Eier im Vermiculit ausbrüte habe ich keinen 100%tige Schlupfrate mehr. Von den 10 Eiern sind ein Tier tot im Ei und 3 Eier verschimmelten. Die 6 Jungtiere (4,2) schlüpften am 15.06.06, waren zwischen 12 und 14 gramm schwer und zwischen 32 und 33 cm lang.

Nachzucht-Beispiel 2007

29.04.07, 14 Eier von einem Weibchen, 03.05.07, 9 Eier vom zweiten Weibchen, plus 3 Wachseier.

Die Eier vom ersten Gelege sind zwischen 4 und 5,2 cm lang und ca. 2,7 cm dick. Das gesamte Gelege hat ein Gewicht von 278 gramm, das macht im durchschnitt 19,86 gramm pro Ei. Die Eier vom 2. Gelege sind bis 5,4 cm lang und ca. 2,8 cm dick. Dieses Gelege hat ein Gewicht von 236 gramm, macht pro Ei im durchschnitt 26,20 gramm. Das sind doch erhebliche Unterschiede obwohl sie von Auge fast gleich gross aussehen. Alle Eier sind in Torfersatz im Inkubator bei 28 bis 29° C.

Zwischen dem 30.06. und 04.07.07 sind die Jungen von ersten Gelege auf die Welt gekommen. Das kleinste war 10,1 gramm schwer und 31 cm lang. Die anderen waren zwischen 12 und 13,4 gramm schwer und zwischen 32 und 34 cm lang. Ausser einem Tier haben sich alle bis am 16.07.07 gehäutet, das letzte am 18.07.07. Am 19.07.07 gab ich allen Babys eine nackte Maus als Futter die allesamt gefressen wurden.

Die Jungen von 2. Gelege sind zwischen dem 04.07. und 06.07.07 geschlüpft, also schon innerhalb 2 Tage. Interessant ist die Tatsache, dass alle Babys vom 2. Gelege erheblich schwerer waren. Sie hatten ein Gewicht zwischen 15,9 und 18,5 gramm. Auch in der Länge haben sie die Jungen vom ersten Gelege mit 34 bis 37 cm leicht übertroffen. Obwohl später auf die Welt gekommen haben sich alle zwischen dem 16.07. und 18.07.07 das erste mal gehäutet.

Gab es im 2006 noch mehr Männchen im Wurf waren es 2007 in beiden Gelegen mehr Weibchen, bei den gleichen Inkubationstemperaturen wie 2006.

2008: Wir haben von beiden Weibchen je 15 Eier bekommen. Um den Markt jedoch nicht zu überlasten haben wir die Eier nicht Ausgebrütet.

2009: Am 19.06.2009 wurden die ersten 6 Eier Gelegt, plus 3 Wachseier. Am 01.07.2009 hatten wir vom zweiten Weibchen nochmals 6 Eier plus 3 Wachseier. Ich glaube die sprechen sich ab. Zur Zeit schlummern alle Eier im Inkubator.



Giftwirkung und Symptome, die bei einem Vollbiss eintreten können:

Lokale Gifteffekte

  • Schwellung und lokale Schmerzen


Neurologische Gifteffekte

  • Periphere Lämungserscheinungen (Ptosis und andere kraniale Nervenlähmungen, Lähmungen der Extremitäten und der Atemmuskulatur)
  • Respiratorische Insuffizienz, respiratorisches Versagen


Erste Hilfe

  • Notarzt- Krankenwagen anrufen und Ruhe bewahren.
  • Haustüre aufschliessen, Schmuck wie Ringe abziehen.
  • Sehr wichtig ist die Kompressionsbinde, da neurologische Gifteffekte innerhalb kürzester Zeit eintreten und zur Ateminsuffizienz führen können.
  • Kompressionsbinde so anlegen, dass die Blutzirkulation noch gewährleistet ist.
  • Gebissener Körperteil Hochlagern und sich so wenig wie möglich bewegen.


Antivenin

  • SAIMR Polyvalent Antivenom Zentral- und Südafrika


Wirksamkeit des Antivenin

Leider ist die Wirksamkeit der Antivenine bezüglich der afrikanischen Kobras im Bezug auf die neurologischen Gifteffekte schwach oder sehr langsam.

Die Wirksamkeit wird stärker, wenn man Antivenin gibt, bevor die Lähmungserscheinungen eintreten. Deshalb müssen folgende zwei zur Verfügung stehenden therapeutischen Ansätze gleichzeitig genutzt und eingesetzt werden:

Endotracheale Intubation und künstliche Beatmung

Die endotracheale Intubation verhindert sicher jede Form der Aspiration.

Der Edrophonium- (Tensilon-R-) Test sollte sofort bei jedem Patienten mit Lähmungszeichen durchgeführt werden, um bei positivem Ausfall die durch den Einsatz eines länger wirksamen Acetylcholinesterasehemmers ( Neostigmin ) erreichbare Verbesserung der neuromuskulären Übertragung auszunutzen.